Mittwoch, September 28th, 2011
Näh- und Lebensgeschichten aus der DDR
In der DDR gab es eine Mischung aus Waren des Grundbedarfs und überteuerten Luxusgütern, sodass nur eine bescheidene Grundversorgung gesichert werden konnte.
Aufgrund der mangelhaften Auswahl an Lebensmitteln, Kleidung und anderen Artikeln, waren Menschenschlangen vor den Geschäften an der Tagesordnung, wie es mir meine Mutter erzählte, die in einer der vielen Mietwohnungen in Chemnitz im Plattenbau, ehemals Karl-Marx-Stadt, wohnte. Jeden Morgen musste sie bereits beim Bäcker anstehen, was dann beim Einkauf von anderen Produkten weiterging. Und auch das bekannte Beispiel, dass es in der DDR keine oder kaum Bananen gab, schockt mich auch heute noch, da wir jetzt in zahlreichen Supermärkten in jeder Stadt doch mehr ein Überangebot vorfinden und gar nicht mehr wissen, was wir nehmen sollen. War es damals deshalb besser? Aufgrund der Fotos, die mir meine Mutter manchmal zeigt, sicher nicht, zumindest was die Bekleidung angeht. Irgendwie schienen alle Röcke, Blusen und Hosen gleich auszusehen.
Egal, was damals Trend war, im normalen Laden gab es das nicht und im Intershop brauchte man Devisen oder Gutscheine und konnte nicht mal eben per EC Kartenterminal bezahlen. Viele machten aus der Not eine Tugend, wurden kreativ und bauten/machten, was man nicht kaufen konnte eben einfach selbst. So kam meine Mutter dann auch zu ihrem Hobby, dem Nähen, weshalb sie nach der Schule auch eine Schneiderausbildung machte. Dort war sie stets mit neuen Stoffen umgeben und schneiderte sich nach ihrer täglichen Arbeit gern noch selbst Kleider, von denen teils auch welche für mich bestimmt waren. In Zeitschriften schaute sie sich die aktuelle Sommermode oder die neuesten Schnitte für den Winter an und legte dann los. Ich glaube, sie hat das Hobby an mich vererbt, da es für mich auch nichts Schöneres gibt, als zu nähen, zu basteln und individuelle Produkte zu erzeugen. Dennoch gehe ich manchmal auch gern in die Innenstadt und bringe die Bonrollen zum Drucken. Denn irgendwie macht das Überangebot ja auch Spaß und in Nähgeschäften gibt es einfach zu viele schöne Stoffe, die meine Augen immer wieder zum Leuchten bringen.