Freitag, November 4th, 2011
Alte Industrienähmaschinen
Wenn man sich heute eine Nähmaschine kauft, braucht man eine mit möglichst vielen Programmen, um verschiedene Stichmuster, Knopflöcher und Nähte auf den verschiedensten Stoffen herstellen zu können. Das ist bei einer Haushaltsnähmaschine, wo man viele verschiedene Stoffe vernähen möchte sehr sinnvoll. In der Industrie ist es jedoch genau umgekehrt. Hier übernimmt jede Nähmaschine, also Arbeitsstation nur eine bestimmte Aufgabe, die sie ein paar hundert mal ach, sogar tausende Male wiederholt. Dadurch können Schnittmusterteile in großer Menge und Geschwindigkeit und in der gleichen Qualität produziert werden. Ebenso muss eine Nähmaschine, die Matratzenbezüge näht, anders aufgebaut sein als eine Schusternähmaschine oder eine Maschine mit der man riesige Sonnensegel für den Sommer näht. Viele von diesen Maschinen arbeiten inzwischen wie Roboter von ganz allein. Das heißt, ihr Nähmuster wird programmiert und so oft wiederholt, bis man für eine neue Nähserie oder Nähaufgabe wieder ein neues programmiert. Natürlich muss der Mensch aufpassen, dass der Nähmaschine nicht der Faden ausgeht und die Schleifringläufermotoren warten, für Nachschub beim Stoff sorgen und die Qualität überprüfen. Das war zu Beginn der Industrialisierung eine harte Arbeit, denn wie man mal den Lärm einer normalen Haushaltsnähmaschine nimmt und diesen dann zigmal vervielfacht, weiß man, wie laut das früher in den Hallen war. Auch heute noch sind Nähmaschinen recht laute Arbeitsgeräte, doch inzwischen weiß man sich durch Ohrenschutz vor dem Lärm zu schützen.
In meinem Apartment in Leipzig habe ich auch noch so eine alte elektrische Industrienähmaschine, die eigentlich nur Knopflöcher machen kann, dafür aber in verschiedenen Größen und in jeden Stoff, ganz gleich, wie dick er ist. Wenn ich sie benutzen möchte, muss ich immer meiner Nachbarin vorher Bescheid geben, damit sie nicht glaubt, jemand möchte mit einem Presslufthammer in ihre Wohnung. Naja, es kommt ja auch nicht allzu oft vor und so ein altes Prachtstück der Nähindustrie-Geschichte muss schließlich auch in Bewegung gehalten werden.